Feb
24

DIE WELT KOMPAKT:

Das Volk hält zu Guttenberg
Zwei Drittel der Deutschen wollen keinen Rücktritt des Verteidigungsministers
Die Union steht weiter zu ihrem Star. Die Opposition verdächtigt ihn des Amtsmissbrauchs
Trotz der Diskussion um Plagiate in seiner Doktorarbeit bleibt Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) beim Volk beliebt. Eine Emnid-Umfrage ergab, dass nahezu zwei Drittel der Deutschen den Minister nicht für einen “Schwindler” halten. Nur 28 Prozent würden ihn so bezeichnen wollen. Eine gleich große Minderheit, 27 Prozent, glaubt, Guttenberg müsse zurücktreten. In der Frage einer womöglich beschädigten Glaubwürdigkeit sieht die Situation etwas anders aus. 52 Prozent der Befragten finden, Guttenbergs Glaubwürdigkeit habe gelitten. 41 Prozent halten das für unzutreffend. Außerdem sind 47 Prozent dafür, dass Guttenberg seinen Doktorgrad ablegt. 40 Prozent sind dagegen.


Und:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Aberkennen des Titels als richtig und logisch. ‘Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat. Sie macht daher Sinn’, sagte Merkel.

Charismatische Herrschaft(WIKIPEDIA):

Der Begriff der Charismatischen Herrschaft geht auf Max Weber zurück und beschreibt die soziale Beziehung zwischen einem Charismaträger (Herrscher) und einem Charismagläubigen (Volk) in einer Herrschaftsbeziehung. Charismatische Herrscher sind beispielsweise Napoleon, Bismarck, Hitler, Fidel Castro u. a. In der Charismatischen Herrschaft hat der Charismaträger eine Führungsposition, die ihm Autorität und Befehlsgewalt verleiht. Diese bleiben nur so lange bestehen, wie der Charismagläubige bereit ist, Gehorsam und Folge zu leisten. Der Glaube an den Charismatiker bleibt an die Wahrnehmung seiner Bewährung gebunden.

Das Modell der Charismatischen Herrschaft ist weiterentwickelt worden von Rainer Lepsius. Er ergänzte das Modell um die
latente charismatische Situation, die manifeste charismatische Situation und die Struktur der charismatischen Herrschaft. (…)

Die Struktur charismatischer Herrschaft
Der Charismatiker lässt keine Kontrolle seines Handelns zu, beachtet keine Verfahren, entspricht keinen Rollenerwartungen und verdrängt alle Akteure, die seine Position durch Regeln oder Mitspracherechte eingrenzen wollen. Nach Max Weber ist die charismatische Herrschaft dennoch legitim, solange seine Gefolgschaft an die Werte und Tugenden des Charismatikers glaubt und dessen Handeln sich bewährt.
Parallel mit dem Aufstieg des charismatischen Herrschers erfolgt ein Rückgang der Institutionalisierung und der gesellschaftlichen Entscheidungsfindungsprozesse. Der Charismatiker wird zur alleinigen Entscheidungs- und Führungsinstanz, die sich keiner Koalition oder Handlungsbindung unterwirft. Er hat das alleinige Interpretationsmonopol.

Noch mehr? Hier:

Ein Auszug aus “Die Genese der charismatischen Führungsposition“, Seminararbeit, 1999, 29 Seiten
für: Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

1.1.2 Die totalitäre Versuchung
(…)Die Bereitschaft, die Hoffnung auf die Autorität eines Führers zu setzen, ist von bestimmten deutschen Traditionen und Mentalitäten bestimmt. Der Führergedanke findet sich schon in den romantisch-konservativen Vorstellungen des frühen 19. Jahrhunderts eines deutsch-germanischen Volksführertums. In der Wilhelminischen Zeit wurden sie zum einen durch die Verklärung heroischen Germanentums und zum anderen durch die nostalgischen Folgen der Bismarck-Idolisierung begünstigt. Weiterhin bildeten Reste und Traditionselemente der absolutistischen Monarchie und das zum Teil noch immer fortbestehende monarchische Bewußtsein eine Grundlage für die Genese eines modernen Führerbildes (..)
Das immer zunehmende Gefühl des Identitätsverlustes und der Desintegration und die großen Spannungen in der Sozialstruktur Deutschlands erweckten bei vielen Deutschen ein Gefühl der Ziellosigkeit, Unsicherheit und Gereiztheit, was dazu führte, daß Stimmungen und Handlungen folgten, die vernünftige Überlegungen negierten. Es entwickelte sich die Jagd und der Wunsch nach einer neuen Substantialität, neuen Werten, tiefen Gefühlen und großartigen Perspektiven.
Aufgrund des Fehlens sozialer Stabilität zerbrach bei vielen Menschen die sichere Lebensorientierung und daraus resultierte die Bereitschaft, sich von einer Politik der irrationalen und psychologischen Appelle verführen zu lassen.
Erst die Sogkraft des politischen Vakuums, die in der Krise erwachten Existenzängste, die weitreichenden Zukunftssorgen und die scheinbare Ausweglosigkeit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation bereitete die Disposition für ein charismatisches Erlösungsangebot.

weitere Verweise:

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