Archive for the 'Wissenschaft' Category

Feb
25

Thomas Steinfeld von der Süddeutschen hat es in eindringlichen Worten beschrieben: In der Guttenberg-Affäre geht es auch um den Ruf, die Glaubwürdigkeit und die Qualität der Deutschen Wissenschaft - nicht nur um die Zukunft eines Fränkischen Aufschneiders.

Der letzte Absatz in diesem Kommentar lautet:

Man kann nicht auf der einen Seite erklären, Bildung sei die wichtigste Ressource dieses Landes, um auf der anderen Seite die Qualifikationsstandards dem Populismus zu überlassen. Man kann Wissenschaft nicht gleichzeitig beschwören und verachten. Geschehen ist es trotzdem. Darin besteht die Verheerung, die diese Affäre zurücklässt.

Nun haben - endlich - Teile der Wissenschafts-Community reagiert und zum Teil deutliche Worte gefunden! Nein, es war nicht die Forschungsministerin der Bundesrepublik Deutschland, der war dann doch die Bestellungsurkunde wichtiger als das Land oder das eigene Rückgrat :-(
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Feb
21

Hier ein super Kommentar zur Guttenberg-Affäre in der “Zeit”.

Während meiner Zeit am Fraunhofer-Institut habe ich einige angefangene und vollendete Promotionen mitbekommen und kann vor allem diesen Absatz nur bestätigen :

Guttenberg ist aber nicht nur ein schlechtes Vorbild, sondern er hat auch dem wissenschaftlichen Betrieb geschadet und akademische Abschlüsse in Misskredit gebracht. Vor allem hat er Doktoranden verhöhnt. Über seine Doktorarbeit sagte er: “Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden.” Was er damit eigentlich sagen wollte, ist: “Ich hatte es besonders schwer, schwerer als viele andere.” Dies ist nicht der Fall.
Die meisten Doktorarbeiten entstehen über Jahre hinweg in “mühevollster Kleinarbeit”. Oft in den Abend- und Nachtstunden neben häufig prekärer Beschäftigung an Universitäten, wo wissenschaftliche Mitarbeiter Professoren zuarbeiten und viele mehr schuften als es ihre Verträge vorsehen. Zahlreiche Doktorarbeiten werden geschrieben, während Fernbeziehung, Kindererziehung und konstante Geldsorgen den Autor plagen. Guttenberg verhöhnt diejenigen, die sich all das aus echtem wissenschaftlichem Interesse antun und eben nicht nur, um sich am Ende einen schönen Titel aufs Klingelschild oder Wahlplakat schreiben zu können.

Feb
20

Ich teile den letzten Blogpost dann auch noch mal. Wenn man drei Tage daran rumändert, wird es doch etwas unübersichtlich ;-). Hier also meine Hinweise zu den “besten” Plagiatsvorwürfen in Guttis Doktorarbeit:

Seiten mit Plagiaten (eine Quelle: schwarz, mehrere Quellen: rot).
Das Inhaltsverzeichnis (Seiten 1-14) und Anhänge ab Seite 408 (blau)
wurden bei der Berechnung der Prozentzahl nicht einbezogen.

Zuerst das krassenste Plagiat bisher: Umfangreiche Textstellen aus der Hausarbeit eines Studienanfängers! siehe auf berlinonline.de mit Dank an @kunkakom!

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Jan
26

Aus einer Pressemitteilung des WDR vom 26.01.2010 zur Sendung “Hart aber Fair”:

Deutschlands ehemals oberster Pharmakontrolleur Peter Sawicki, der offiziell wegen einer Dienstwagenaffäre zum 31. August den Stuhl räumen muss, wird in der morgigen ARD-Sendung „Hart aber fair“ (Das Erste, 27.01.2010, 21.45 Uhr) nicht live in der Talkrunde sitzen. Moderator Frank Plasberg führte vorab ein Einzelgespräch mit dem Mann, dessen Aufgabe darin bestand, der Industrie auf die Finger zu klopfen. Es ist das erste Gespräch, dass der gefürchtete Arzneimittelprüfer nach seiner jüngst bekannt gewordenen frühzeitigen Auflösung seines Vertrags, hinter der politische Interessen vermutet werden, gibt.

Anlässlich des „Hart aber fair”-Themas „Dammbruch bei den Kassenkosten - Bahn frei für die Klassenmedizin?“ (Das Erste, 27.01.2010, 21.45 Uhr) äußert Sawicki im Gespräch mit Frank Plasberg, dass er es für „unbedingt notwendig“ halte, „dass Ärzte und Patienten unabhängig informiert werden.“ Dies sei momentan nicht der Fall. Die Ärztekammern seien gefragt, unabhängige Fortbildungsveranstaltungen anzubieten.

Auf die Frage von Frank Plasberg, ob sich in Sawickis Zeit als Leiter des 2004 neu gegründeten Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Macht der Pharmalobby geändert habe, sagt Sawicki: „Die Macht der Pharmalobby ist riesig. Die Pharmaindustrie beeinflusst alles: vom Politiker, über Gremien, über Zulassungsbehörden, über Ärzteorganisationen, Ärzte, bis hin zu Selbsthilfegruppen. Jede einzelne Etage wird beeinflusst in die Richtung des Umsatzes.“

Versuche, auch ihn zu beeinflussen, habe es „natürlich“ auch gegeben, so Sawicki. „Nur irgendwann mal hatte man aufgegeben.“ Frustriert sei er jedoch nicht, dass man seinen Vertrag nun nicht verlängere. Sawicki: „Es hat was gebracht, das Institut ist leistungsfähig. Meine Aufgabe war, das Institut aufzubauen, das Institut funktioniert. Unter schwierigsten Umständen haben wir das aufgebaut, meine Kollegen und ich. Das Institut wird weiterarbeiten und ich denke, dass es ein Erfolg war.“

Jan
23

… ist für mich der Rausschmiss des Leiters des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (“IQWiG”), Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki.
Natürlich ist die persönliche Integrität des obersten Pharma-Kontrolleurs der Bundesrepublik ein wichtiges Thema. Aber anscheinend sich sich alle darin einig, dass Sawickis laxer Umgang mit den “Hausregeln” eher kein Indiz für eine schlampige oder gar bestechliche Arbeitsmoral sind.

Ganz im Gegenteil. Seine standhafte Position gegenüber der Pharmalobby ist wohl die Wurzel für seine Unbeliebtheit.

Der Spiegel berichtet, dass

“sich auch die Wirtschaftsminister der Länder darauf verständigt hatten, die IQWiG-Methodik sei nicht länger “volkswirtschaftlich hinnehmbar”. Bei der Bewertung von Arzneimitteln müssten auch Kriterien wie die “Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere der heimischen pharmazeutischen Unternehmen”, einfließen”.

Mhhh, das Institut, dass die Qualität von Medikamenten und Behandlungsverfahren prüfen und einschätzen soll, muss dabei gleichzeitig die “Wettbewerbsfähigkeit” - also die Profitchancen - der heimischen Pharmaunternehmen berücksichtigen?
Es geht um Krebs, Migräne, Schmerztherapie und ob Pillen, Salben und Spritzen den Schmerz der Patienten lindern und die Krankheit vertreiben können.
Und zugleich soll relevant sein, ob die Pille von einem deutschen Unternehmen hergestellt wurde, mit welchem Aufwand sie entwickelt wurde und mit welchem möglichen Gewinn sie vertrieben werden kann?

Das ist pervers.

Die Aufgabe des IQWiIG ist klar definiert:
“… die Vor- und Nachteile medizinischer Leistungen für Patienten und Patientinnen objektiv zu überprüfen.”
Da steht nix von “Vor- und Nachteile medizinischer Leistungen für die heimische Pharmawirtschaft”!!”

Ich kann nur hoffen, dass dies auch so bleibt. Alles andere würde unser renovierungsbedüftiges Gesundheitssystem noch schneller abstürzen lassen!

Eine journalistische Intervention, eine Kampagne der Wissenschaftspresse scheint an dieser Stelle notwendig zu sein. Also los!

Read this:

Sep
30

Schon Anfang des Jahres, als es um die Zulässigkeit der Wahlautomaten ging, hatte er es in Gesprächen angedeutet: Ernst-Otto Sommerer, Dortmunder Statistik- und Wahlexperte hält die Briefwahl in ihrer aktuellen Form für unzulässig. Daher hat er Einspruch gegen die aktuelle Bundestagswahl eingelegt. Er begründet seine Meinung auf zwei verschiedenen Wegen:

  1. Die Briefwahl ist unzulässig, weil die zugrunde liegende Wahlordnung nicht verfassungsgemäß ist.
    Bei der Briefwahl gibt es aktuell keine Sicherungsmaßnahmen, wie sie bei der Stimmenabgabe im Wahllokal existieren. Die Ergebnisse der Briefwahl sind nicht nachprüfbar. Genau eine solche Nachprüfbarkeit hatte das Bundesverfassungsgericht aber beim Verbot der Wahlautomaten im Frühjahr gefordert.
  2. Die Briefwahl ist unzulässig, weil termingerechte Zustellung und Rücklauf der Briefwahlunterlagen nicht gesichert werden können.


Den ersten Punkt finde ich überzeugend, weil er direkt nachvollziehbar ist.

Während der Stimmzettel im Wahllokal immer unter sechs bis zehn Augen in der Urne verbleibt und dann unmittelbar ganz öffentlich gezählt wird, weiss niemand tatsächlich, was mit seinem Wahlzettel nach Einwurf in den gelben Postkasten geschieht. Hier ist also der Wahlmanipulation in größerem Rahmen Tür und Tor geöffnet.

Den zweiten Punkt finde ich überzeugend, weil er mich selbst getroffen hat.
Da wir am Wahlwochenende nicht in Dortmund sein würden, hatten wir unsere Anforderung der Briefwahlunterlagen am Sonntag vor der Wahl in den Briefkasten an der Dortmunder Hauptpost (hinter dem Bahnhof) eingeworfen.
Am Freitag vor der Wahl waren die Briefwahlunterlagen noch immer nicht eingetroffen. Ein Anruf im Wahlamt ergab, dass die Bearbeitung und Absendung der Wahlunterlagen im Wahlamt genau an diesem Freitag (zwei Tage /einen Posttag vor der Wahl) erfolgt ist. Da wir erst am Sonntag abend aus dem Emsland zurückkommen wollten, einigte ich mich mit der Mitarbeiterin im Amt (telefonisch, ohne Nachweis einer Legitimation ausser der Nennung von Adresse und Geburtsdatum) auf die Streichung/”Ungültigmachung” der Briefwahlunterlagen für mich und meinen Mann.
Am Sonntag abend sind wir dann bei der Rückkehr zum Wahllokal, um dort mit Personalausweis zu wählen. Unsere Briefwahlmarkierung war NICHT entfernt worden, die Wahl mit Personalausweis wurde uns untersagt.
Glücklicherweise war dann noch genug Zeit, um nach Hause zu fahren. Glücklicherweise waren die Briefwahlunterlagen tatsächlich mit der Samstags-Post eingetroffen. Und so konnten wir glücklicherweise doch noch unsere Stimme abgeben.
Ein reguläres Verfahren war DAS nicht!


Die Berichterstattung in der Presse:

Aug
28

Gestern Abend lief in Panorama ein Bericht über die Sicherheit der potentiellen Deutschen Atommüll-Endlager und die Verantwortung - vor allem von Angela Merkel - für das Ignorieren von wissenschaftlichen Fakten zugunsten einer polititschen Entscheidung.

Hier der Originalbeitrag auf der Website des NDR:

Atomenergie: die Lüge vom sicheren Endlager

Es gibt weitere interessante Fernsehbeiträge, die die Probleme mit der Nutzung der Kernernergie zeigen und die die Versprechungen der Atomlobby - “Kernenergie ist billig, nachhaltig und sicher!” - widerlegen.

Beispiele:

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Mrz
03

… wird manchmal erst durchgeführt, nachdem die Entscheidung für eine Technologie schon gefallen ist.

Gut, wenn die Entscheidung rückholbar ist.

Erleichterung, wenn sie von Anfang an richtig war.

Heute entscheidet Karlsruhe über die Anwendbarkeit von Wahlcomputern bei der wichtigsten politischen Entscheidung des Souveräns: Der Wahl.

Eine gute Übersicht über alle wichtigen Links zum Thema gibt es bei netzpolitik.org.

Aus dem Gerichtssaal twittert der ChaosComputerClub, Haupttreiber der Kampagne gegen die Wahlcomputer.

Update:

@wahlcomputer meldet um 10:07 Uhr: “Win”

Ich gehe also davon aus, dass die Wahlcomputer nicht oder nur unter Auflagen zulässig sind. Später dazu mehr.

@wahlcomputer meldet um 10:15 Uhr: “bundeswahlgeraeteverordnung teilweise nicht mit verfassung vereinbar. transparenz bei elektronischer stimmabgabe nicht immer gewaehleistet.”

10:18 Uhr: Auch DerWesten war diesmal schnell mit seiner Nachricht.

@wahlcomputer meldet um 10:23 Uhr: “zuverlaessiger papertrail waere unter einschraenkungen moeglich.”

Nun bin ich sehr gespannt, welche Auflagen es für den Einsatz der Computer geben wird. Dass die Stadt Dortmund die Dinger einfach wieder verschrottet (Kaufpreis ca. 1,3 Mio€), kann ich mir nicht vorstellen. Ich gehe jedoch davon, dass bei der Wahl im Juni ein Einsatz der Wahlcomputer nicht möglich sein wird.

Sobald ich fachkundige (-> EOS) Informationen über die möglichen zusätzlichen Sicherheitsauflagen bekomme, werde ich diese sofort bloggen.

Continue reading Update: Eine Risikobewertung …

Jan
22

Mal wieder aus einer idw-Pressemitteilung:

Europas Abhängigkeit von Energieimporten senken:
Kongress zur Biomassenutzung zeigt Lösungen auf

Der Lieferboykott des russischen Erdgasriesen Gazprom zeigt, wie
abhängig Europa von Rohstoffimporten ist. Um die Versorgungssicherheit
zu verbessern, fordern Kritiker, die Abhängigkeit Europas von Gas- und
Erdöl-Lieferungen zu reduzieren und verstärkt auf nachwachsende
Rohstoffe zu setzen. Doch was kann die stoffliche und energetische
Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Lösung unserer Energieprobleme
und zum Ersatz erdölbasierter Chemikalien, Werkstoffe, Brenn- und
Kraftstoffe leisten? Antworten liefert der Kongress BIO-raffiniert V,
der am 24./25. März 09 in Oberhausen stattfindet. Der Kongress wird
von Fraunhofer UMSICHT, dem nova-Institut und der EnergieAgentur.NRW
veranstaltet.

Continue reading Nochmal Regenerative Energien im Ruhrgebiet

Jan
20

Aus einer Pressemitteilung des idw:

Am Campus der Hochschule Bochum (c@s: Das ist die ehemalige Fachhochschule in Bochum, ich glaube, die hiess früher Georg-Agricola-FH !?) entsteht in den kommenden zwei Jahren ein Großforschungszentrum für Geothermie. Das Land investiert elf Millionen Euro in das Projekt. An dem europaweit einzigartigen Zentrum soll u.a. die Bohrtechnologie weiterentwickelt und wissenschaftliche Erkenntnisse an die Wirtschaft weitergeben werden.
Das Geotechnikum wird von der Hochschule Bochum betrieben und steht auch anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Nutzung zur Verfügung.

Ich bin begeistert! Super Sache!

Oberflächennahe Geothermie wird ja schon in einigen Neubaugebieten eingesetzt. Zur tiefen Geothermie gibt es auch einige Forschung, aber noch kein Grosskraftwerk. Ich glaube aber, dass diese Energiegewinnung Zukunft hat und begrüße ausserordentlich, dass das Ruhrgebiet jetzt Standort eines Forschungszentrums wird.

Allerdings gab es bereits seit 2002 Geothermie-Forschung an der Ruhr-Uni-Bochum. Das Forschungsprojekt hiess PROMETHEUS. Noch ist mir unklar, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Sobald ich’s weiss, schreib ich einen Nachtrag!

weitere Infos: